Die Geschichte des Stiftsgymnasiums

Eine von vielen Aufgaben der Benediktiner in Österreich war und ist die christliche Erziehung und schulische Ausbildung der Jugend. Diese Aufgabe haben auch die Benediktiner von Seitenstetten seit ihrer Gründung wahrgenommen.

Die Anfänge

Die Gründung eines öffentlichen Gymnasiums und Konviktes geschah allerdings erst unter Abt Kolumban Zehetner (1813 - 1834). Was er damals sagte, hat auch heute noch Geltung: "Die Klöster sind ein Spiegel moralischer und geistiger Kultur der Menschen. Ihre fortschreitende christliche Veredelung nebst der Pflege der Wissenschaften ist eine ihrer vorzüglichsten Aufgaben. Dieses erhabene Ziel kann ohne Erziehung und Bildung der Jugend, auf der die Hoffnung der Zukunft ruht, nie vollständig erreicht werden."

Die Errichtung des Öffentlichen Gymnasiums

Am 30. März 1814 richtete der Abt ein entsprechendes Gesuch an die NÖ Landesregierung. Auf diese Ansuchen hin erhob Kaiser Franz I. die Privatlehranstalt zu Seitenstetten zu einem öffentlichen Gymnasium. Bald nach der feierlichen Eröffnung erhielt die Anstalt den Titel eines k.k. Gymnasiums und das Recht, den kaiserlichen Adler im Siegel zu führen.Das Gymnasium wurde mit drei Grammatikal- und einer Humanitätsklasse eröffnet. Es erhielt 1815 die zweite Humanitäts- und 1818 die vierte Grammatikalklasse.

Mit der Gründung des Gymnasiums ergab sich auch die Notwendigkeit, ein Konvikt zu errichten. Schon 1814/15 wurden 45 Zöglinge im Stift untergebracht, von denen 10 unentgeltlich verpflegt wurden. Kajetan von Felder, 1868 - 1871 Bürgermeister von Wien, war 1827 - 1830 Zögling des Konviktes. Er schreibt über diese Zeit: "Ich fühlte anfangs geradezu Ketten an Händen und Füßen. Aber die strenge Disziplin, Haus- und Schulordnung und der wieder wachgerufene Ehrgeiz wirkten heilsam, und ich bin längst von der Überzeugung durchdrungen, dass ich lediglich dieser Zucht meine spätere Zukunft verdanke. In der Tat verdanke ich dem Stift Seitenstetten meine Laufbahn auf dem Gebiet des Wissens und des praktischen Lebens." Bis zum Jahre 1871 bot das Konvikt für ungefähr 60 Zöglinge Raum.

Unter Abt Josef Gündl (1834 - 1851) geriet das Stift in eine wirtschaftliche Krise, von der auch das Gymnasium nicht verschont blieb. Aus Mangel an Lehrern konnte die Lehranstalt von 1850 bis 1866 nur mehr als Untergymnasium geführt werden. Der Unterrichtsbetrieb war aber dennoch zufriedensteIIend, da der Direktion in diesen Jahren wiederholt die Anerkennung der Schulbehörden zuteil wurde.

Dem Abt Ludwig Ströhmer (1852 - 1868) war das Stiftsgymnasium wieder ein besonderes Anliegen. 1866 bat er bei der k.k. Statthalterei um die Ermächtigung, die Schule so auszubauen, dass sie in den folgenden Jahren je um eine Klasse erweitert werden könne. Die Genehmigung wurde am 12. Mai 1866 erteilt. Am 15. Oktober fand die feierliche Eröffnung des Obergymnasiums mit 80 Schülern statt.

Unter Abt Dominik Hönigl (1868 - 1908) kam es zu einer weiteren Ausgestaltung des Gymnasiums und zur Errichtung eines bischöflichen Knabenseminars. Das Konvikt wurde von 80 auf 120 Plätze erweitert, eine Orgel in der Studentenkapelle aufgestellt und ein großes Schwimmbad errichtet. Vom 20. bis 25. Juni 1870 wurde in Seitenstetten die erst schriftliche und am 1. August die erste mündliche Reifeprüfung abgehalten. 1908 zählte das Gymnasium 207 Schüler.

Bischof Feßler verlegte das bischöfliche Knabenseminar von Krems nach Seitenstetten. Am 2. Oktober 1871 wurde es feierlich eingeweiht und ihm der Name "Marianum" gegeben. Es beherbergte in den ersten Jahren 60 Zöglinge.

Auch Abt Theodor Springer (1920 - 1958) war ein großer Förderer des Gymnasiums. Ihm ist es zu verdanken, daß es trotz schwieriger Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg unbehindert weitergeführt werden konnte.

1932 wurde das Seminar durch einen Zubau erweitert, sodass es nun 100 Zöglinge beherbergen konnte. 1955 mietete die Diözese St. Pölten das von Fürst Auersperg erbaute "Adolfinum" und vergrößerte damit das Seminar um weitere 50 Plätze.

Unter den Lehrern, die unter Abt Theodor wirkten, sei einer besonders genannt: Dr. P. Anselm Salzer, ein besonderer Freund und Förderer der Jugend, der durch 54 Jahre das Lehramt ausübte. Er verband damit eine umfangreiche wissenschaftliche Tätigkeit. Sein Hauptwerk, das seinen Namen weltbekannt machte, ist die "Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur".

Das nationalsozialistische Regime brachte ein rasches Ende des Gymnasiums. 1938 wurde ihm das Öffentlichkeitsrecht entzogen.

Die Wiedererrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg

Bereits am 2. Oktober 1945 wurde das erste Schuljahr nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet. Das Gymnasium zählte 160 Schüler, von denen 86 im Konvikt und 37 im Seminar untergebracht waren. Man führte vorerst nur eine 1., 2., 3. und 5. Klasse. Der religiöse Eifer war in diesen Jahren besonders groß, sodass auch aus dem Konvikt eine ziemliche Anzahl von Priesterberufen hervorging. P. Albert Kurzwernhart, der spätere Abt des Stiftes, errichtete 1950 wiederum das alte Sängerknabenalumnat und Juvenat. Im Schuljahr 1954/55 war im Gymnasium wieder der Vorkiegsstand von acht Klassen mit rund 300 Studenten erreicht und auch die Internate waren voll besetzt. In zunehmendem Maße mussten durch die notwendige Erweiterung des Lehrkörpers Laienprofessoren aufgenommen werden. Im Schuljahr 1947/48 gab es die erste Reifeprüfung nach dem Krieg.

Auch Abt Albert Kurzwernhart (1962 - 1984) war ein Förderer des Gymnasiums.

1964 waren 150 Jahre seit der Erteilung des Öffentlichkeitsrechtes vergangen. Zum Schulschluss gab es außergewöhnliche Feiern, z. B. ein Konzert der Sängerknaben und die Aufführung von Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende".

1972 bis zur Gegenwart

In den letzten Jahrzehnten kam es zu zahlreichen einschneidenden Veränderungen. Ab 1972 wurde im Obergymnasium neben dem humanistischen Zweig auch ein neusprachlicher geführt und Mädchen wurden aufgenommen. Dadurch stieg die Schülerzahl rasch an. Sie betrug 1978 etwa 420 in 15 Klassen.

Seit 1984 ist Berthold Heigl Abt des Klosters. Wie alle Äbte ist auch er ein besonderer Freund des Gymnasiums, der trotz seiner vielfältigen Aufgaben noch einige Klassen in Religion unterrichtet hat.

In seiner Amtszeit dehnte sich die Schule bereits auf das 2. Stockwerk des Stiftes aus, neue Klassen, Lehrsäle (für EDV, Biologie) und eine zentrale Schulbibliothek wurden eingerichtet und der Theatersaal großzügig neu gestaltet. Er steht nun auch als zweiteiliger Medienraum der Schule zur Verfügung.

Im Schuljahr 2012/13 werden in 17 Klassen von 39 Professoren 355 Schüler unterrichtet. Unter den Professoren sind 4 Patres des Stiftes.

Früher war das Stiftsgymnasium fast eine reine Internatsschule mit mehreren Internaten (Seminar, Juvenat, Konvikt). 2006 wird das letzte Internat , das bischöfliche Knabenseminar geschlossen. Aus einer Schule mit fast nur internen Schülen ist eine Schule für Fahrschüler geworden. Die Ziele sind die gleichen geblieben: Die Vermittlung eines christlich-humanistischen Weltbildes und einer umfassenden Bildung.

Zum Schluss seien noch einige von vielen bedeutenden Schülern unseres Gymnasiums genannt:

Kardinal Franz Nagl, Fürsterzbischof von Wien

Michael Memelauer, Bischof von St. Pölten

Franz Zak, Bischof von St. Pölten

Guido Holzknecht, Röntgenologe

Wilhelm Miklas, Bundespräsident

Julius Raab, Bundeskanzler

Alois Mock, Außenminister

Leopold Bauernfein, FABA Soft

Anton Leichtfried, Weihbischof von St. Pölten

Impressionen aus dem Schulalltag


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Lauf für Nepal
Kaffeepause
Fasching