Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

ABGESAGT! »Verborgene Räume« – Spezialführung durch das Mineralienkabinett

13. Juni 2020, 11:0017:00

| Veranstaltungsserie (Alle anzeigen)

Eine Veranstaltung um 11:00 Uhr am 26. September 2020

Eine Veranstaltung um 11:00 Uhr am 27. September 2020

Erleben Sie das Mineralienkabinett!

Munggenast hatte im ersten Stockwerk der Südseite zu beiden Seiten des zweistöckigen Büchersaales je einen ein- und zweiachsigen Raum vorgesehen. Nachdem nun P. Joseph Schaukegl bis 1764 die österlichen zwei Zimmer für die Handbibliothek und das Studierzimmer ausgestaltet hatte, ließ er in den zwei westlichen Räumen die Kunstkammer und das Naturalienkabinett einrichten.
Unter „Kunst“ verstand er aber hier die „artes mechanicae“, weshalb er diesen einachsigen Raum auch kleines Naturalienzimmer nannte und darin mathematische und physikalische Instrumente aufstellte. In ihm ist heute hauptsächlich die paläontologische Sammlung untergebracht.
Für beide Räume zeichnete Schaukegl 1766 genaue Pläne zu ihrer Einrichtung. Wie er dabei die toten Ecken mit Schränken verbaute, wie er die Aufsatzkästen an die schrägen Fensterlaibungen anglich und sorgsam auf die Proportionen der Räume achtete, das weist ihn als einen wirklichen Innenarchitekten aus. Die Einrichtung der Kunstkammer schuf 1769 der sehr begabte Seitenstettner bürgerliche Tischler Anton Paumgartner für 350 Gulden. Bereits ein Jahr vorher hatte der Seitenstettner Hoftischler für die Einrichtung des Mineralienkabinetts 530 Gulden erhalten. Es kann kaum einen Zweifel geben, das damit ebenfalls Anton Paumgartner gemeint ist, der auch als Hoftischler verwendet wurde. Für die weniger schönen Objekte waren die vielen Schubladen vorgesehen, die schöneren Stücke der Sammlung aber sollten in Aufsatzkästen zu sehen sein, wobei größere Stücke aufgeschnitzten Konsolbrettern, kleinere auf gedrechselten Konsölchen ausgestellt werden sollten, alles vor einem zartgrünen Hintergrund.
Durch dezente Vergoldungen erhielt die Einrichtung einen festlichen Charakter. Sie hat ihn bis heute bewahrt. Sogar die Mundgeblasenen alten Glastafeln der Vitrinen sind noch zum Teil vorhanden.

Offensichtlich strebte man von vornherein eine Dominanz der Einrichtung an. Als Vorbild schwebte P. Schaukegl vielleicht die freilich dreimal so große Raritätenkammer des Kaiserhofes vor Augen, die er als Wiener wohl gekannt haben dürfte.
Die Wand- und Deckenmalerei ließ man hingegen eher zurücktreten. Der Wiener Maler Johann Bergl erhielt für seine Arbeit in beiden Räumen 1769 nur 126 Gulden. Er strengte sich dafür auch nicht besonders an. Seine dekorative Malerei beschränkt sich vor allem im kleineren Zimmer auf einfache Band-, Blumen- und Blattmotive in Secco Technik. Nur der Deckenspiegel des Mineralienkabinetts erhielt eine figurales Gemälde in leuchtenden Farben, jedoch auch nur in Kalkfarbentechnik auf trockenem Verputz.
Hier gibt es auch in Seitenstetten einmal mythologische Gestalten, freilich nicht wie anderswo als Beispiel und Belehrung, sondern eher, um sich darüber lustig zu machen. Wieder einmal dürfen wir einen Blick zum Himmel tun und finden dort die sieben römischen Planentengötter, aber alle nur als putzige Putti: Im Zentrum sitzt der Sonnengott als Knabe mit Zepter und Diadem, darunter hält der Mond seine bleiche Sichel empor. Am rechten Rand hält der Merkurknabe, als Götterbote mit Flügeln an den Füßen versehen, Stab und Maske, denn er ist auch der Gott des Handels und der Schauspielkunst. Gegenüber sieht man das Schmachtende Venusfräulein mit zwei Täubchen und seinem Geliebten, den fantasievollen Helm und Schild. Darüber hält der Jupiterknabe zwar wie üblich ein Blitzbündel in der Hand, doch ist sein Begleiter nicht ein Adler, sondern ein Fasan. Ganz oben denn er ist mit dem griechischen Kronos und dieser wieder mit Chronos, dem Gott der Zeit, zeitgleichgesetzt. Unklar ist, warum rechts unten auch der Götterschmied Vulkan dargestellt ist, der ja nicht zum Kreis der Planetengötter gehört. Mit Schutzfell und schwerem Hammer, Öllämpchen als Hinweis auf das Feuer und kleinem Amboss ist er eine besonderes drollige Gestalt, wie überhaupt das ganze Gemälde der Leichtigkeit und Heiterkeit des Rokoko getragen ist.
Als Abschluss und Krönung der Einrichtung wurde an der Stirnwand ein großes Porträt des Abtes Dominik Gußmann angebracht, dass der Kremser Schmidt bereits 1760 um 30 Gulden gemalt hatte.

Details

Datum:
13. Juni 2020
Zeit:
11:00–17:00
Veranstaltungskategorien:
,

Veranstaltungsort

Stift Seitenstetten
Am Klosterberg 1
Seitenstetten, Niederösterreich 3353 Österreich
Telefon:
+43 7477 423 00
Website:
www.stift-seitenstetten.at

Veranstalter

Stift Seitenstetten
Telefon:
+43 7477 423 00
E-Mail:
kultur@stift-seitenstetten.at
Website:
www.stift-seitenstetten.at

Weitere Angaben

Treffpunkt
im Klosterladen
Teilnahmeentgelt
€ 8,50